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Der beste Brennstoff der Welt“

Als der FC Schalke im Halbfinale des Uefa-Cups beim FC Sevilla verlor, soll daran ein „Zaubertrank“ beteiligt gewesen sein. Antonio Escribano gilt inzwischen als „Guru der spanischen Sportlerernährung“. Andreas Hinkel durfte als erster Deutscher bei der laut Statistik weltweit erfolgreichsten Mannschaft des Jahres den Trank probieren. Was steckt hinter den innovativen Methoden des Antonio Escribano“


Andreas Hinkel: „In Sevilla wird sehr professionell gearbeitet – auch in puncto Ernährung Foto Sebastian Vollmert


Als Andreas Hinkel in diesem Sommer vom VfB Stuttgart zur spanischen Spitzenmannschaft FC Sevilla wechselte, staunte er gewaltig. Musste er sich in der Bundesliga noch altmodisch wiegen, kam in Spanien ein Laptop zum Einsatz. Das an die Waage angeschlossene Gerät „piepst ständig und zeigt auf einem Kuchendiagramm den Anteil am Körperfett an“, so Hinkel über die sich alle drei, vier Wochen wiederholende Prozedur. Verantwortlich für die Messungen ist der Ernährungs- und Sportwissenschaftler Antonio Escribano von der Universität Sevilla, den die renommierte Zeitung „El Mundo“ zum „Guru der spanischen Sportlerernährung“ erhob.

Spätestens seitdem die von ihm in Ernährungsfragen betreuten Teams von Sevilla und Xerex an einem Wochenende Tabellenführer der ersten und zweiten spanischen Liga waren, ist auch der Boulevard auf das Thema aufmerksam geworden. Die größte Sportzeitung „Marca“ machte den „Zaubertrank“ von Escribano mitverantwortlich für „eine „Revolution im Fußball“. Die Spieler von Schalke 04 wissen jetzt jedenfalls, woran es lag, dass sie in der Verlängerung des Uefa-Cup-Halbfinals in Sevilla verloren. Escribano hatte den Sevillistas seinen Trank gegeben, der sich aus 50 Prozent Bananen, Orangen, Äpfeln, Pfirsichen und Melonen in ähnlichen Proportionen sowie zwei Prozent Fructose zusammensetzt. Das ganze wird in Milch oder Wasser aufgelöst, damit es sofort wirkt. „Er schmeckt nicht gerade gut“, weiß Andreas Hinkel zu berichten, der als erster Deutscher den Brei trinken durfte.

Doch Escribano gibt sich unaufgeregt, wie der Tankwart von nebenan. Von „Zaubertrank“ will er nichts wissen. Er habe lediglich ermittelt, wie viel „Brennstoff“ die Spieler in welcher Situation exakt benötigen. Jeder könne den Trank zu Hause herstellen, was im Übrigen auch billiger als die im Handel erhältlichen Sportgetränke sei. Dem Wissenschaftler geht es hauptsächlich um Aufklärung, insbesondere in Andalusien leiden viele Kinder und Jugendliche wegen falscher Ernährung an Übergewicht. Die Publicity, die Escribano in den Medien bekommt, nutzt er, um gegen die vorherrschende „gastronomische Gier“ Zeichen zu setzen.


Genialer Tüftler: Antonio Escribano in seiner Küche im heimischen CÔøΩrdoba


Seit zweieinhalb Jahren ist der umtriebige Wissenschaftler schon beim FC Sevilla. In dieser Zeit hat er viele Gerichte am heimischen Herd ausgetüftelt und machte dafür sogar eigens einen Fernkurs zum Koch. Das Ritual ist immer gleich: Zwei Wochen bevor er den Spielern eine neue Kreation serviert, müssen sein Sohn sowie der Co- und Konditionstrainer vorkosten. Wie Heston Blumenthal, Patron des „Fat Duck“, des derzeit wohl besten Restaurants der Welt, setzt Escribano dabei auf innovativste Methoden in der Zubereitung der Speisen. Das „Frittieren ohne Öl“ gehört beispielsweise dazu. Genau so lecker, aber eben mit weitaus weniger Kalorien als bei der herkömmlichen Methode.

Antonio Escribano war mal Mitglied von Real Madrid, nun trägt er dazu bei, dass Sevilla den „Königlichen“ den Rang abzulaufen droht. Was freut ihn besonders? „Spieler, die bereits so weit waren, ihre Karriere zu beenden, haben sich erholt. Sie widmen mir auf dem Rasen ihre Tore.“

Sven Bremer und Matthias Greulich



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