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Die große Rapsröschen-Show

In den Arenen der Bundesliga wird viel gegessen, aber auch gut? RUND-Tester Bernd Greulich hat das Essen im VIP-Bereich der Hamburger AOL-Arena ganz genau probiert. Sein Urteil: Für Spitzensportler nur bedingt zu empfehlen, durchschnittliches Essen mit wenig frischen Produkten.


Gegessen wird immer – aber auch gesund?
Foto Gulliver Theis


Beim Hamburger SV machen sie sich viele Gedanken darüber, was die Profis essen sollen und haben dafür die Ernährungsberaterin Katrin Kleinesper engagiert. Aber wie gut ist das Angebot für die Fans in den Restaurants des Stadions? Der äußere Eindruck ist gut, das Personal wirkt geschult und freundlich, die einzelnen Küchenstationen sauber und übersichtlich. Paprika, Auberginen, bunte Rosmarinsträußchen und ein Sack mit Kartoffeln aus Niedersachsen suggerieren, dass hier frische Produkte serviert werden. Dem ist nicht so, zu 80 bis 90 Prozent wird mit Tiefkühlprodukten oder vorgefertigten Lebensmitteln gearbeitet.

Es beginnt bei den Vorspeisen, die aus den Fertigungsstätten der Ernährungsindustrie stammen dürften. Sehr schwach im Geschmack fielen dabei die Fischvorspeisen aus – in einem norddeutschen Stadion eigentlich unverzeihlich. Die viel versprechende Namensgebung des Matjesfilets „Indian Summer“ wurde so zur Mogelpackung. Wesentlich besser gefiel das Angebot an frischen Salaten, wobei es Minuspunkte brachte, dass die Blüten der Tomaten nicht herausgeschnitten waren.

Größeren Kummer bereiten allerdings die Hauptgerichte. Wer träumt nicht von einem Pangasiusmedaillon auf Roter Beete? Oder von Biorind aus dem Wok mit Shiitakepilzen, Rapsröschen und Lotuswurzeln. Das Biorind aus dem Wok war zart, die pikante Sauce eher mittelmäßig, was man von dem darin befindlichen Teelöffel Lavendel nicht mehr behaupten kann. Ähnlich unerklärlich: Von den auf der Speisekarte angekündigten Rapsröschen hat der Tester in fünfzig Berufsjahren noch nie gehört. Der Kassler Braten bietet ein ähnlich durchwachsenes Bild. Das Fleisch wurde vom Koch saftig gegart und vor den Gästen aufgeschnitten. Der Nachweis einer Kassler Sauce oder eines Fonds für die Orangen-Honigsauce fehlte allerdings, offenbar wurde auf industrielle Pasten und Pulver zurückgegriffen. Heraus kam eine Tunke, wie man sie früher in Großkantinen bekam. Das gilt auch für die viel zu festen Semmelknödel, für die man gute Kaumuskeln brauchte.

Die Desserts waren optisch nett angerichtet, die Qualität entsprach den üblichen Tiefkühlangeboten, auch „Großmutters Milchreis“ kommt aus der Konserve. Besser gefiel der Käse vom Brett, der durchweg gut schmeckte. Von guter Qualität sind die Heißgetränke, die Weinangebote sind reell: Weiß- und Rotweine sowie der Prosecco sind guter Durchschnitt.

Fazit: Da wenig frische Produkte verarbeitet werden, sollten die Hamburger Profis sich eher auf die verschiedenen Salate konzentrieren, wenn sie im VIP-Bereich ihres Stadions zu Gast sind.

Bernd Greulich



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