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THEMENWOCHE
„In China essen sie Würmer“
Hans Braun ist absoluter Fachmann im Bereich der Ernährung von Sportlern. Er arbeitet seit acht Jahren am Olympiastützpunkt Köln und als Dozent an der Sporthochschule Köln. Der A-Lizenzinhaber arbeitet zudem eng mit der Hockey-Nationalmannschaft zusammen und berät den 1. FC Köln in Ernährungsfragen. RUND-Autor Sven Bremer sprach mit Braun über die häufigsten Ernährungsfehler der Fußballer.


Experte für Fußball-Ernährung: Hans Braun


RUND: Herr Braun, hinkt der Fußball in puncto Ernährung anderen Sportarten hinterher?
Hans Braun: Ich musste vor ein paar Jahren feststellen, dass die Ernährung in der Ausbildung zum Fußballtrainer keine Rolle spielte. Ich habe mit dem DFB darüber gesprochen, und schließlich hat sich der Verband dazu entschlossen, das Thema Ernährung mit aufzunehmen. Seit 2001 betreue ich einen ernährungsspezifischen Block in der Fußballtrainerausbildung. Es hat sich einiges getan, auch bei den Vereinen, aber längst nicht genug.

RUND: Brauchen die Profiklubs wirklich einen Ernährungsberater? Bislang leistet sich in der Bundesliga nur Schalke 04 den „Luxus“.
Hans Braun: Die Rahmenbedingungen bei den Profiklubs sollten gegeben sein. Es muss auf jeden Fall jemand da sein, der sich speziell damit beschäftigt. Das kann ein Mediziner sein, aber es ist schon eine Frage der Ausbildung. Ich will da niemandem zu nahe treten, aber oft wird da auch irgendwelches Populärwissen gemixt. Ein fester Ernährungsberater täte jedem Klub gut. Aber dafür ist in vielen Vereinen wohl einfach das Geld nicht da.

RUND: Wie überzeugen Sie die Profis, sich besser zu ernähren?
Hans Braun: Es muss den Spielern klar werden, dass eine richtige Ernährung die Voraussetzung dafür ist, schneller und vor allem länger schnell laufen zu können. Aber die Bereitschaft des einzelnen Athleten muss gegeben sein. Eine große Rolle spielt, dass die Spieler Lust auf das Essen haben. Sonst ist es keine Erholung, sondern Stress. Es dürfen neben Nudeln Obst und Gemüse auch mal Spareribs sein. Auch wenn die Spieler mal zu McDonald’s gehen, ist das auch nicht dramatisch. Nur sollten sie wissen, wann. Also nicht vor dem Wettkampf oder einer harten Trainingsphase.

RUND: Wo werden sogar noch dann Fehler gemacht, auch wenn sich die Verantwortlichen dem Thema intensiv widmen?
Hans Braun: Man sollte nicht zu dogmatisch an die Sache herangehen. Es geht nicht um Askese. Man muss aufpassen, dass man nicht mit Extremen kommt. Wenn die Ernährung nur aus Vollkornprodukten besteht, ist es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht strittig, ob das richtig ist. Zum anderen muss ich sehen, wie ich meine Erfahrungen auf die zumeist viel jüngeren Spieler, die eine ganz andere Sozialisation haben, übertrage. Mit Druck werde ich sie nicht für das Thema gewinnen. Das mag in China so gehen. Da essen sie Würmer, wenn man ihnen sagt, dass es ihnen weiterhilft. Hier sicherlich nicht.

RUND: Worauf ist neben der reinen Nahrungsaufnahme noch zu achten?
Hans Braun: Es muss jemand ein Auge darauf haben, warum ein Spieler über die Maßen zu- oder abnimmt. Gewichtsschwankungen sind immer problematisch. Es wird schon kritisch, wenn ein Leistungssportler innerhalb kürzester Zeit drei bis vier Kilogramm abnimmt. Und ich muss im Bereich der Ernährung genauer hinschauen, wenn jemand ständig mit muskulären Problemen zu kämpfen hat.

RUND: Sollten die Klubs ihre Spieler mit Nahrungsergänzungsmitteln versorgen?
Hans Braun: Das ist ein ganz heißes Eisen. Zum Teil macht man es vielleicht, um sein Gewissen zu beruhigen, weil die normale Ernährung nicht ausgewogen genug ist. Und nicht überall herrscht Einigkeit darüber, was der Körper eines Profis braucht. Die Wissenschaft streitet zum Beispiel noch darüber, ob 100 Milligramm Vitamin C täglich ausreichen. Wie heißt es so schön: Ob es etwas bringt, weiß man nicht, aber es macht auf jeden Fall den Urin wertvoller. Die Mittel sollten aber auf Verunreinigungen getestet werden. Vor allem, weil man sonst einen positiven Dopingbefund riskiert. Und man sollte sie nicht einfach aus dem Internet beziehen und nur in Absprache mit dem Ernährungsberater oder dem Arzt zu sich nehmen.





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